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Sonntag, 17. Juli 2016

Buchtipp: Die Achse meiner Welt

2016 war für mich bisher kein gutes Lese-Jahr. Nachdem ich bis zum Frühling immerhin drei Romane gelesen hatte, blieb ich quasi stecken. Im April kaufte ich mir ein neues, vielversprechendes Buch, auf das ich in einer Zeitschrift aufmerksam geworden war und begann zu lesen, wurde mit der Story aber nicht so richtig warm. Weil die Geschichte aus drei einzelnen Handlungssträngen aufgebaut ist, die sich Kapitel für Kapitel abwechseln, habe ich das Buch tatsächlich dreimal von vorne angefangen, weil ich nach ein paar Tagen des Nicht-Lesens immer wieder vergessen hatte, was in welchem Handlungsstrang passiert war. Obwohl ich mittlerweile eigentlich gar keine Lust mehr auf das Buch hatte, versuchte ich acht Wochen lang immer wieder in die Geschichte zu finden, bis ich letztendlich nach rund 150 Seiten aufgab (und das tue ich wirklich sehr selten). Anstatt dessen schnappte ich mir die "Die Achse meiner Welt" von Dani Atkins, das ich neulich nichtsahnend für 1€ auf dem Flohmarkt mitgenommen hatte, weil mir das hübsche Cover und der Klappentext gefielen und... ohne zu wissen, dass es sich hierbei um eines der packendsten und emotionalsten Bücher aller Zeiten handelte, das mich trotz größter Müdigkeit bis um 2 Uhr morgens gebannt und mit klopfendem Herzen Seite für Seite verschlingen lassen würde.


Die Geschichte dreht sich um Rachel, die zu Beginn des Romans kurz vor Beginn ihres Traumstudiums steht und sich noch einmal mit ihren liebsten Schulfreunden zum Essen trifft, um den Start des neuen Lebensabschnittes zu feiern. Rachels Leben ist eigentlich perfekt - sie ist glücklich und sehr verliebt in ihren scheinbar traumhaften Freund, Matt. Doch schon in der nächsten Sekunde soll sich ihr Leben für immer verändern - ein Auto rast auf das Restaurant und somit auf die Clique zu. Alle schaffen es sich in Sicherheit zu bringen, alle außer Rachel. Ihr bester Freund aus Kindergartenzeiten, Jimmy, rettet ihr in letzter Sekunde das Leben und wird dabei aber selbst so schwer verletzt, dass er den Unfall nicht überlebt. Erst fünf Jahre später kann Rachel, die seit jeher physisch und psychisch unter den Folgen des Unfalls und vor allem unter dem Verlust ihres besten Freundes leidet, zur Hochzeit ihrer besten Freundin in ihre Heimatstadt zurückkehren. Am Abend vor der Hochzeit besucht sie Jimmys Grab und bricht vor Kummer und Schmerz auf dem Friedhof zusammen. Als sie später im Krankenhaus aufwacht, versteht sie die Welt nicht mehr - ihr Leben ist plötzlich ganz anders als sie es in Erinnerung hatte: Matt, zu dem sie die Beziehung nach dem Unfall vor fünf Jahren abgebrochen hatte, ist plötzlich ihr Verlobter, ihr vom Krebs gezeichneter Vater ist auf einmal wieder kerngesund und dann kommt plötzlich auch noch Jimmy zur Tür herein...


Die Geschichte ist einfach alles: Romantisch, emotional, hin und wieder richtig lustig, unglaublich tragisch und vor allem spannend bis zur letzten Seite. Wie auch Rachel habe ich mich die ganze Zeit gefragt, wie es sein kann, dass sich die Achse ihrer Welt mit ihrem Zusammenbruch auf dem Friedhof so sehr gedreht hat, dass sich alles geändert hat und selbst ihr toter bester Freund plötzlich wieder quicklebendig und dennoch zunächst sehr distanziert ist. Im Laufe der Geschichte haben Rachel und ich dann aber einfach irgendwann akzeptiert, dass sie scheinbar einfach eine zweite Chance bekommen hat, um ihr Leben neu zu beginnen und mögliche Fehler einfach auszubügeln - ein Leben, in dem ihr Verlobter Matt einfach nur furchtbar nervt und Jimmy hingegen ein absoluter Traumtyp ist, in den ich mich direkt mal mit verliebt habe. Während ich unbedingt wissen wollte, ob sich zwischen Rachel und Jimmy etwas entwickeln würde, vergaß ich zwischenzeitlich immer mal wieder, dass Jimmy ja eigentlich tot sein müsste und dass das Ganze ja auch irgendwie ein bisschen unrealistisch war. Am Ende, das mich sehr überrascht und zutiefst berührt hat, machte dann plötzlich doch alles Sinn.


Vielleicht klingt die Geschichte auf den ersten Blick etwas abgedreht, aber Dani Atkins verpackt die ganze Handlung absolut glaubwürdig und undurchschaubar und vermittelt dem Leser dabei eine ganz wichtige Moral: Folge deinem Herzen und mach das Beste aus deinem Leben. Vielleicht liegt es auch ein bisschen daran, dass ich schon lange mehr kein so gutes Buch mehr gelesen habe, aber von "Die Achse meiner Welt" konnte ich gar nicht genug bekommen. Ihr kennt doch sicherlich auch das Gefühl, wenn man ein richtig schönes Buch zu ende gelesen hat und auf der einen Seite ganz aufgewühlt ist und auf der anderen Seite wirklich traurig ist, dass das Buch zu ende ist und man es nun nicht mehr mit der gleichen Spannung nochmal lesen könnte, oder? Jetzt ärgere ich mich jedenfalls, dass ich den Roman so schnell gelesen habe und fühle mich ein wenig als hätte ich einen guten Freund verloren. Mit anderen Worten: Absolute Lese-Empfehlung! Sagt aber bitte nicht, dass ich euch nicht gewarnt hätte und ihr nachts eventuell vor lauter Lesedrang nicht schlafen könnt und das ein oder andere Taschentuch brauchen werdet!

So, was sollte ich jetzt unbedingt lesen, um den Lese-Blues zu überwinden?



Dienstag, 12. Juli 2016

Süßes vom Grill: Peanutbutter-S'mores (& Unboxing der Juni-Degustabox)

Hach, Sommer! Es geht doch nichts über gemütliche Barbecue-Abende mit lieben Freunden, während die Sonne sich allmählich dem Horizont neigt, der Himmel das schönste Farbenspiel präsentiert und die (blöden) Mücken durch die Gegend surren, oder? Marshmallows sind beim Grillen oder am Lagerfeuer natürlich auch immer ein süßes Highlight, aber kennt ihr auch S'mores? Nein?! S'mores sind quasi die Deluxe-Version der klassischen Leckerei am Spieß und einfach jede Sünde wert! S'mores haben aber nicht nur einen großen Suchtfaktor, sondern sind auch richtig, richtig einfach innerhalb weniger Minuten zubereitet.


Ihr braucht:
Butterkekse
Schokolade nach Wahl
Marshmallows
Erdnussbutter

Für jeweils einen Peanutbutter-S'more benötigt ihr zwei Kekse, einen Marshmallow (oder auch zwei kleine - uns kamen die Mallow Cubes von hitschler aus der Juni-Degustabox gerade recht!), ein Stück Schokolade und etwas Erdnussbutter. Für die Zubereitung gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten - wenn ihr geschmolzene Schokolade möchtet, schnappt ihr euch einen Keks, platziert darauf erst die Marshmallows, dann die Schokolade und deckt das Ganze mit einem mit Erdnussbutter bestrichenen Keks ab. Die fertigen "Sandwiches" platziert ihr solange auf einer Aluschale auf dem heißen Grillrost bis die Marshmallows von außen knusprig geröstet und von innen schön weich sind und die Schokolade halbwegs geschmolzen ist ohne zu flüssig zu sein. Die zweite Version ist ein wenig "ordentlicher" und lässt sich auch etwas einfacher essen, ohne dass man danach selbst wie ein S'more aussieht - hierfür röstet ihr den Marshmallow einfach klassisch am Spieß und gebt ihn erst dann mit Schokolade und Erdnussbutter zwischen zwei Kekse.


Falls ihr euch fragt, warum das Ganze den seltsamen Namen "S'more" trägt - das ist die Kombination der beiden Wörter "some" und more" und glaubt mir, wenn ihr erst einmal einen S'more probiert habt, werdet ihr definitiv "more" wollen! In Amerika wird der süß-klebrige Snack klassischerweise mit Graham-Crackers zusammengebastelt, aber Butterkekse eignen sich genauso gut. Ansonsten sind eure Fantasie keine Grenzen gesetzt - ich persönlich finde die S'mores mit Erdnussbutter absolut perfekt, aber ihr könnt eure S'mores nach Belieben zusammenstellen - frisches Obst (Bananen! Erdbeeren! Pfirsiche!) kann ich mir in der Kombination mit Schokolade und knusprig-weichem Marshmallow auch richtig gut vorstellen. Neulich bin ich auf Pinterest sogar auch auf ein Rezept für S'mores mit Bacon gestoßen, aber das wäre mir dann vermutlich doch zu... amerikanisch :D.


Neben den Mallow Cubes von hitschler steckten auch noch jede Menge andere Barbecue-Produkte in Juni-Degustabox: Curry-Grillmarinade von Deli Reform, Bio-Knoblauch-Joghurtsauce von Alnatura und dazu für perfekt für Beilagen-Salate noch Honig-Senf-Salat-Dressing von Alnatura und zwei Tütchen Salatveredler von Kluth. Nüsse und Tortilla-Chips eignen sich übrigens ebenso perfekt, um dem Salat etwas Crunch zu verleihen und deshalb haben wir uns auch sehr über die Tortilla Chips von Antica Cantina und die Kessel Nüsse von ültje gefreut. Außerdem steckten auch noch "Knusper mich 7 Kräuter"-Zwieback von Brandt (die fand Juli super!), Passata (passierte Tomaten) und eine Dose geschälte Tomaten von Cirio in der Degustabox und zum Trinken gab es auch noch Pure Tea Grüner Tee von Pfanner (super erfrischend mit etwas Mineralwasser!), zwei Flaschen Pilsener von Jever und zwei kleine Kräuterliköre von Wilthener Gebirgskräuter

Falls ihr die Degustabox auch testen möchtet könnt ihr sie hier im Abo für 14,99€/Monat bestellen. 

*Sponsored Post: Vielen Dank an das Team von Degustabox, das uns die Box zum Testen zur Verfügung gestellt hat. Obwohl dieser Eintrag Werbung für die einzelnen Produkte enthält, entsprechen meine Kommentare unserer ehrlichen Meinung und uns hat die Box wirklich wieder gut gefallen :-).

Donnerstag, 7. Juli 2016

Sommer im Glas: Pfirsich-Blaubeer-Marmelade

Jedes Jahr ist es das Gleiche: Erst warten alle sehnsüchtig auf den Sommer, dann erscheint einem der Sommer viel zu kurz (oder viel zu kalt) und dann sind alle traurig, wenn der Sommer wieder vorbei ist. Wäre es da nicht wunderbar, wenn man ein kleines bisschen Sommer einfangen und sich für einen besonders grauen, tristen und blöden Tag aufheben könnte? Nun ja, leider habe ich (noch) keine geheime Maschine entwickelt, um den Sommer einzusaugen und im November wieder freizulassen, aber ich kann euch ein fast genauso zauberhaftes Rezept verraten, damit ihr den Sommer zumindest im Glas lagern und dann auch später im Winter genießen könnt. Das Zauberwort lautet: Simsalabim...... Pfirsich-Blaubeer-Marmelade*.

*Sponsored Post in Kooperation mit SweetFamily von Nordzucker 


Vor drei Jahren habe ich zum ersten Mal Marmelade gekocht und hatte so viel Spaß an der ganzen Sache, dass ich letztendlich durchgedreht bin und - nachdem ich schon sämtliche Gläser an Freunde verschenkt hatte - an die 30 Gläser Erdbeer- und Erdbeer-Rhabarber-Marmelade im Vorratsregal stehen hatte. Für meinen Single-Haushalt. Dann fiel mir auf, dass ich ja morgens meistens Müsli frühstücke und obwohl Erdbeeren zu meinen Lieblingsfrüchten zählen, hätte ich auch gerne etwas Abwechslung auf den Sonntagsbrötchen gehabt. Da man sagt, dass sich selbstgekochte Marmelade in der Regel zwei Jahre hält (vielleicht aber auch 20), konnte ich mein Marmeladenregal mittlerweile mit halbwegs reinem Gewissen wieder räumen und nahm mir für diesen Sommer vor, neue Marmelade zu kochen - allerdings keine 30 Gläser und dieses Mal nicht nur klassische Sorten, sondern zur Abwechslung auch mal "besondere" Marmelade. Kaum eine Frucht schreit für mich so sehr "SOMMER!" wie der Plattpfirsich (und sind wir mal ehrlich - Melonen-Marmelade will doch auch echt niemand, oder?) und deshalb beschloss ich, dieses Mal saftig-süße Pfirsiche mit köstlichen Blaubeeren zu kombinieren und... was soll ich sagen? Das Ergebnis lässt sich wirklich nur als "Sommer im Glas" beschreiben - so fruchtig, so lecker, so gut!


Für 4-5 mittelgroße Gläser:
600 g Plattpfirsiche (ohne Kerne gewogen)
400 g Blaubeeren
Saft einer Zitrone
500 g Gelierzucker 2:1 
(z.B. "Der Fruchtige" von Nordzucker SweetFamily)

Falls ihr noch nie Marmelade gekocht habt, lasst mich euch sagen: Das ist kinderleicht und geht superschnell! Wirklich! Zuerst schnappt ihr euch eure Marmeladengläser und spült diese mit möglichst heißem Wasser aus trocknet sie gut ab (man kann sie theoretisch auch im Backofen sterilisieren, aber das habe ich noch nie ausprobiert). Die Pfirsiche schneidet ihr (ruhig mit der Schale) in kleine Stückchen und gebt sie mit den Blaubeeren und dem Zitronensaft in einen großen Topf. Jetzt bringt ihr das Obst für einen kleinen Moment zum Köcheln und nehmt dann den Topf kurzu vom Herd, um die Früchte zu pürieren - wie fein ihr das Ganze püriert ist euch natürlich selbst überlassen, ich persönlich mag Marmelade am liebsten mit kleinen Stückchen (solange keine Früchte mit Kernen enthalten sind). Anschließend rührt ihr den Gelierzucker unter und bringt das ganze unter ständigem Rühren blubbernd zum Kochen. Sobald der Blubber-Kochpunkt erreicht ist, stellt ihr euch am besten einen Timer und rührt fleißig für 4 Minuten weiter, während die Marmelade sprudelnd kocht. Nach den vier Minuten führt ihr am besten eine Gelierprobe durch, indem ihr einen Esslöffel der Marmelade auf einen kleinen Teller gebt und guckt, ob die Marmelade tatsächlich eine marmeladige Konsistenz hat. Falls nicht, kocht und rührt ihr sie noch für max. 1-2 Minütchen weiter, aber ansonsten gebt ihr die Marmelade sofort randvoll in die Gläser (ein Marmeladentrichter kann dabei sehr hilfreich sein), schraubt sie fest zu und stellt sie anschließend für ca. 15 Minuten auf den Kopf, damit ein Vakuum entsteht. Zack, und schon habt ihr den Sommer erfolgreich im Glas eingefangen!


Ich glaube, dass ich bis ich diese Marmelade gekocht habe, noch nie Pfirsichmarmelade gegessen hatte und deshalb kann ich jetzt auch keine Vergleiche ziehen, aber ich finde sie richtig, richtig gut. Gerade in Kombination mit den Blaubeeren ist die Marmelade perfekt - nicht zu süß, nicht zu sauer, sondern einfach nur richtig schön fruchtig. Man sollte nur nicht noch mehr Blaubeeren hinzugeben und sich möglichst an das 3:2-Verhältnis halten, da man die Pfirsiche sonst eventuell nicht mehr so gut herausschmecken würde. Falls ihr nun Lust auf's Nachkochen habt (und ich kann es nur empfehlen!), habe ich auch noch die passenden Etiketten für euch gebastelt, die ihr gerne ausdrucken und auf eure Marmeladengläschen kleben könnt:






Nun überlege ich, welche Marmeladensorten und -kombinationen ich noch ausprobieren könnte - das liebe Team von Nordzucker SweetFamily hat uns nämlich großzügig ein sehr großes Gelierpaket überlassen und das reicht mindestens noch für 50 weitere Gläser! Was ich euch aber auch noch absolut empfehlen kann, ist der SweetFamily Gelierzucker für Erdbeeren - das ist eine aromatisierte Zuckermischung, in der schon Vanille- und Holunderblütengeschmack enthalten ist. Man muss nur noch 500 g Erdbeeren pürieren, alles aufkochen und schon hat man zwei Gläschen Erdbeer-Vanille-Holunder-Marmelade. Ich habe das Ganze schon ausprobiert und die feine Vanille-Holundernote ist wirklich super! Einfacher geht's echt nicht!

Was ist denn eure Lieblingsmarmelade? :-)


Montag, 4. Juli 2016

Reisen mit einem Kleinkind (Toddler Busy Bag & ein kleines Reisevideo)

Mit einem dreijährigen Kleinkind zu verreisen kann sicherlich sehr stressig und anstrengend sein. Obwohl ich mein Patenkind Juli sehr, sehr gut kenne und weiß, dass er meistens ein kleiner Goldschatz ist, hatte ich dennoch großen Respekt vor unserer ersten Flugreise zu zweit, bei der ich ganz alleine vier Tage lang die volle Verantwortung für uns beide tragen würde. Letztes Jahr im Herbst waren Resi und ich zusammen mit Juli für ein paar Tage in Dublin und da war zwar schon alles mit einigen Kompromissen wirklich super, aber so ein halbes Jahr kann natürlich ganz schön viel ausmachen und mit einem Kleinkind alleine zu verreisen ist natürlich auch nochmal etwas ganz anderes. Als leidenschaftliche Planerin und ständige Sorgenmacherin hatte ich schon Wochen vor unserer Reise nach Dublin überlegt, wie ich Juli unterwegs und insbesondere im Flugzeug beschäftigen und bei Laune halten könnte. Pinterest (Stichwort: toddler busy bag) lieferte mir dabei einige wunderbare Inspirationen, sodass ich für wenig Geld ganz viele tolle Kleinigkeiten in Julis Kinderucksack steckte, von denen ich mir erhoffte, dass sie Juli in eigentlich eher öden Phasen und Wartezeiten Spaß und Freude bereiten würden.


Ungefähr die Hälfte der Dinge, die ich einpackte, stammte aus Julis Bücherregalen und Spielzeugkisten: Ein extradickes und handliches Wimmelbuch, diverse Pixi-Bücher (all time favourites und zur Abwechslung auch seltener gelesene Exemplare), einige "Arbeitsblätter"/Ausmalbilder aus seinem Beschäftigungsblock, ein Tier und zwei Bänder aus seinem Fädelspiel und ein paar Stickerbögen - all das sind Dinge, von denen ich wusste, dass sie Juli fast immer Spaß machen und ihn für einige Minuten beschäftigen können. Für den Überraschungseffekt ergänzte ich diese bekannten Sachen noch mit einigen neuen Kleinigkeiten, die ich fast alle bei Action (falls ihr das nicht kennt: Allerbester günstiger Krimskrams-Laden, tausendmal besser als andere 1€-Shops) einkaufte: Eine Mini-Zaubertafel, ein Mini-Spirograph, ein kleines Knetset, ein selbstklebendes Mosaikset (alles je 1€!) und ein neues Set Filzstifte. Dazu wanderten neben der Kleinkind-Standard-Ausstattung (Wechselklamotten, Feuchttücher, Pflaster, Trinkflasche, Snacks, etc.) noch ein Tütchen Kekse und Gummibärchen in den kleinen Rucksack und als übertrieben vorbereitete Patentante bastelte ich auch noch ein Wäscheklammern-Zuordnungsspiel, das ich in ähnlicher Form auf Pinterest gesehen hatte.


Resi fragte vor unserer Abreise scherzend, ob ich mit dieser Ausstattung eine Weltreise planen würde und ob Juli bei der Ankunft in Irland nicht schon ganz erschöpft von all der Beschäftigung während des Fluges sein würde, aber es gab mir ein gutes Gefühl, eine recht große Auswahl von Beschäftigungsmöglichkeiten dabei zu haben - just in case. Ich konnte ja nicht absehen, wie Julis Laune dieses Jahr im Flieger zur "Witching Hour" um 17 Uhr sein würde und ob Juli in Dublin nicht aus heiterem Himmel uncharakteristische Wutanfälle an einer Kasse haben würde. Nun ja. Um von vorne anzufangen: Nachdem wir am Frankfurter Flughafen total überteuerte Getränke für den Flug (6,80€ für eine Flasche Wasser, eine Caprisonne und einen Kinderriegel- geht's noch?! Am Dubliner Flughafen kann man sich 'ne Flasche Wasser aus einem Kühlregal nehmen und einfach 1€ in eine "Honesty Box" einwerfen!) eingekauft hatten und Juli begeistert neunundzwanzigmal die Rutsche auf dem Spielplatz am Nachbargate hinuntergerutscht war, wurde unser Flug um eine halbe Stunde verschoben. Dies schien mir ein guter Anlass zu sein, um Juli mein selbstgebasteltes Zuordnungsspiel zu präsentieren, bei dem er zu zwölf verschiedenen Tieren das richtige Futter finden muss. Juli LIEBT es!! Das Spiel war insgesamt eines der Highlights aus seinem Rucksack und Juli wollte es sogar jeden morgen direkt nach dem Aufwachen im Bett spielen, was mir gleichzeitig fünf kostbare Minuten einbrachte, um richtig wach zu werden, nachdem Juli jeden Morgen stolz zwischen 7 und 8 Uhr verkündet hatte: "Die Sonne ist aufgegangen!". Zurück zur Hinreise: Als wir endlich im Flieger saßen, waren Juli und ich mindestens die erste halbe Stunde damit beschäftigt, aus dem kleinen Flugzeugfenster zu schauen, über den Flughafen und den Flug zu sprechen - Unterhaltungen mit Juli sind im Moment ganz besonders interessant und lustig, meine Notiz-App auf dem Handy ist voller grandioser Zitate. Während des Fluges werkelten wir dann erst einmal an dem Dino-Mosaik (Juli liebt Sticker - vor allem, wenn halbwegs vorgegeben ist, was wohin geklebt werden muss) und auch die Mini-Zaubertafel, das Mini-Spirograph und das Wimmelbuch waren ein großer Erfolg.


Letztendlich war der Flug natürlich viel schneller vorbei, als dass wir alle Sachen aus dem Rucksack überhaupt hätten auspacken können und wir hatten gar keine Zeit für Langeweile. Letztendlich hätte ich mir außerdem niemals Sorgen machen müssen, dass ich mit Juli im Flugzeug oder in Dublin überfordern sein könnte. Letztendlich haben wir den Rucksackinhalt auch fast ausschließlich im Flieger und auf Julis Wunsch morgens im Bett benutzt. Letztendlich war Juli fast automatisch mit all unseren Aktivitäten und den vielen Eindrücken bestens beschäftigt und unterhalten. Es lag natürlich nicht nur daran, dass wir stets einen Beschäftigungsrucksack dabei hatten, sondern viel mehr daran, dass anscheinend alle Planeten und ihre dazugehörigen Monde im genau richtigen Winkel zueinander standen, denn unser Urlaub in Dublin hätte nicht perfekter sein können. Wirklich nicht. Wir hatten eine so, so, so wunderbare Zeit mit meiner Gastfamilie, am Strand, im Zoo, in der Stadt, in den Restaurants, beim Shoppen (!) und auf sämtlichen Spielplätzen. Juli hätte wirklich nicht lieber und fröhlicher sein können und ich kann ehrlich sagen, dass ich nicht annäherend so viel Spaß gehabt hätte, wenn ich alleine ohne meinen kleinen Schnuffiwuffi verreist wäre. Natürlich war es hilfreich, dass Juli und ich ohnehin ein perfekt eingespieltes Team sind, dass ich Dublin wie meine Westentasche kenne und dass ich immer alle benutzbaren öffentlichen Klos im Kopf hatte, aber dennoch war es natürlich absolut nicht selbstverständlich, dass einfach alles so unproblematisch verlaufen würde. Ich habe immer versucht Juli zu erklären, was wir vorhatten und was als nächstes passieren würde, gleichzeitig aber auch seine Meinung und Wünsche zu berücksichtigen und all unsere Pläne waren dabei so flexibel wie möglich, um spontan unsere Bedürfnisse aufeinander abzustimmen - ich glaube, das war ein weiterer wichtiger Faktor für den Erfolg unseres Städtetrips. Es ist einfach super, wie viel er mittlerweile tatsächlich begreift und auch selbst ausdrücken kann.


Eine kleine Anekdote: Resi und ich haben, wann immer wir mal zusammen shoppen waren und weinende Kinder hörten, gesagt, dass wir niiiiiemals unsere Kinder zwingen würden mit uns in Klamottenläden zu gehen und letztes Jahr hatten wir das auch gar nicht erst versucht. Dieses Jahr versteht Juli alles aber schon viel besser und ich wollte einfach mal ausprobieren, ob wir nicht auch kurz gemeinsam in meine Lieblingsgeschäfte schauen könnten oder eben nicht - beides wäre natürlich okay gewesen, denn das Ziel unseres Urlaubs sollte es einfach sein, eine schöne gemeinsame Zeit zu haben. Wie immer hat Juli mich überrascht und er hatte tatsächlich einfach total viel Spaß mit mir zu stöbern und zu entscheiden, was wir für ihn und seinen Bruder kaufen könnten. Natürlich waren wir nicht stundenlang bummeln, aber wir verbrachten einen halben Tag zusammen in der Stadt und Juli scheint wirklich der einzige Dreijährige zu sein, der gerne fröhlich und zufrieden durch Geschäfte stöbert. Nachdem wir schon einige Kleinigkeiten ausgesucht hatten und zwischendurch in Ruhe Mittag gegessen hatten, fragte ich Juli, ob wir noch schnell in den Disney Store in der Grafton St gehen sollten, bevor wir den Spielplatz ansteuern wollten, da er immerhin auch noch eigenes "Taschengeld" zur Verfügung hatte - ich dachte, dass er dies in sinnvolles Spielzeug (= nicht noch mehr Kuscheltiere) investieren könnte. Juli will eigentlich wirklich selten irgendwas haben und kann auch erstaunlich gut erkennen, was er braucht und was nicht ("Oh, ein Feuerwehrauto! Ich habe auch eines zuhause!"), aber.... dann entdeckte er plötzlich Simba und Nala auf Augenhöhe, schnappte sich die beiden Kuscheltiere, drückte sie fest an seine Brust und im gleichen Moment ertönte dann auf einmal auch noch "Can you feel the love tonight" (kein Witz). Wir haben sie mitgenommen. Das Strahlen auf Julis Gesicht war unbezahlbar. Bevor wir an dem Tag dann tatsächlich zum Spielplatz gingen, entdeckte ich im Vorbeigehen noch ein richtig schönes Kleid im Schaufenster, das sich super für die baldige Sommerhochzeits meines Onkels eignen würde und ich fragte Juli, ob wir noch schnell in den Laden könnten, damit ich das Kleid anprobieren könnte. Juli hatte keinen Einwand und fand es tatsächlich ziemlich aufregend sich mit mir in die Umkleide zu quetschen und zu kommentieren, was ich alles ausziehen müsste, bevor ich das Kleid anprobieren konnte. Als ich das Kleid dann endlich anhatte, fragte ich Juli, ob er es mochte und... er starrte mich mit großen Augen an und rief begeistert: "Jule! Du siehst aus wie die Elsa!!" - wenn das nicht das größte Kompliment war, das ich hätte bekommen können, weiß ich auch nicht.


Ach, es war einfach so wunderbar. Juli ist so ein tolles Kerlchen und ich liebe es so sehr, seine Patentante zu sein. Es ist etwas ganz Besonderes, mitzuerleben, wie so ein kleiner Knirps einen Ort für sich entdeckt, den man selbst so sehr liebt und die Welt gleichzeitig auch durch seine Augen noch einmal ganz anders zu begreifen. Er hat sich richtig schnell eingelebt und wirklich richtig zuhause gefühlt, er hat sich auch prima trotz der fremden Sprache mit meinen Gastkindern verstanden und dabei auch immer mehr Englisch aufgeschnappt (so konnte er ratzfatz perfekt "Thank you!" sagen und somit erst recht alle um den Finger wickeln!). Als wir im Flieger Richtung Deutschland saßen und ich Juli nach dem Start sagte, dass er aus dem Fenster gucken und sich von Irland verabschieden solle, weinte er plötzlich dicke Krokodilstränen und schluchzte, dass er in Irland bleiben möchte - das konnte ich natürlich nur zu gut verstehen. Resi kann so stolz sein, dass sie einen so supertollen Sohn hat und gleichzeitig bin ich ebenso stolz und glücklich, dass Juli und ich einen so schönen Urlaub hatten - sicherlich nur der erste von vielen weiteren! Einige der Highlights unserer Zeit in Dublin habe ich übrigens in diesem kleinen Reisevideo zusammengebastelt:


Irland 2016 from Kuddelmuddel on Vimeo | Musik: Podington Bear - Good Times

Ach, ich möchte euch übrigens auch nicht verschweigen, dass sich Julis Beschäftigungsrucksack auch perfekt dazu eignete, Juli und meine Gastkinder (mittlerweile 7 und 9 Jahre alt) für zumindest eine Halbzeit des Irland-Frankreich-Achtelfinales der EM zu unterhalten ;-).